Post by Dr. Kristin W.
I 💛💙❤️good and decent people // Democracy // Colombia // Ukraine // Israel // Ostdeutschland 🫶
🎉 4. Juli. Independence Day. 250 Jahre Vereinigte Staaten. Der 4. Juli ist der amerikanische Unabhängigkeitstag. Und für mich ist er noch viel mehr. Ich bin in der DDR aufgewachsen. Bis zum 9. November 1989 war mein Lebensweg weitgehend vorgezeichnet. Abitur? Studium? USA? Das hätte es für mich wohl niemals gegeben. Mit dem Fall der Mauer änderte sich alles. Als damals klar wurde, dass es von Freiheit und Demokratie kein Zurück mehr geben würde, wusste ich sofort: Ich mach‘ Abi und geh‘ nach Amerika. Ich erinnere mich noch genau an die Fahrt mit meinem Vater nach Berlin, zum amerikanischen Konsulat an der Clayallee, um mein Visum abzuholen. An die Freundlichkeit, die Offenheit und das Gefühl, dass plötzlich die Welt auf mich wartete. Im Sommer 1994 reiste ich einen Monat per Zug durch Europa und flog anschließend für ein Jahr in die USA. Dieses Jahr hat mein Leben verändert. Ich kam 1995 nicht nur nach Deutschland zurück. Ich kam als ein anderer Mensch zurück. Ich war ziemlich enttäuscht, dass sich zumindest in meiner mecklenburgischen Heimat noch nicht wirklich viel verändert hatte. Da ging es mir ein bisschen wie Jürnjakob Swehn, dem Mecklenburger Amerikafahrer aus dem Roman von Johannes Gillhoff. Ich wusste ja jetzt, dass Optimismus keine Naivität ist. Dass Freundlichkeit Stärke sein kann. Dass Kreativität, Zuversicht und der Glaube daran, Dinge verändern zu können, eine Gesellschaft prägen. Später durfte ich mit Stipendien der Konrad-Adenauer-Stiftung und des DAAD Deutscher Akademischer Austauschdienst an der Johns Hopkins School of Advanced International Studies (SAIS) studieren. Nochmal wow, weil ganz ohne Beziehungsgeflecht oder Parteibuch der Eltern… (siehe DDR 🤯) Auch dort habe ich Menschen kennengelernt, die mich geprägt haben – wissenschaftlich, menschlich und politisch. Und egal, was die Weltgeschichte mit sich bringt, ich werde wohl nie aufhören, an dieses Land, seine Menschen und Ideen zu glauben. Wenn ich heute das Mauermuseum am Checkpoint Charlie besuche und die Fluchtfahrzeuge sehe, die Menschen für ihren Weg in die Freiheit gebaut haben, dann kann ich meine Tränen nicht zurückhalten. Dort kann man auch Ronald Reagans berühmten Satz hören: “Mr. Gorbachev, tear down this wall.” Vielleicht rührt es mich immer wieder so sehr, weil ich weiß, dass Freiheit niemals selbstverständlich ist. Sie wurde immer von Menschen erkämpft. Von Menschen, die den Mut hatten, für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenwürde einzustehen. Ja, ich bin ein echter Amerika-Fan 🇺🇸 Und gerade in Lateinamerika sehe ich jeden Tag, dass Amerika oft ganz anders wahrgenommen wird als in Europa: als Hoffnung, als Partner, als Garant von Freiheit und Verlässlichkeit. Bei aller Kritik sollten wir nie vergessen, was dieses Land für Generationen von Menschen bis heute bedeutet. Mein Leben wäre ohne die Freiheit von 1989 und ohne Amerika ein völlig anderes geworden. Happy Independence Day, America. 🇺🇸