Post by Michael OJ Gärtner
PR-Berater
Neujahrsempfang. Als ich ein wenig über den Kaffee philosophiere, sagt mein Nachbar: „Bei mir gibt es einen besseren Espresso - schauen Sie doch mal vorbei. Hier ist meine Karte.“ Ich mustere den Herrn: weißes Stehkragenhemd, dunkler Anzug. Dann lese ich die Karte: Dr. Martin Brons, Pfarrer an St. Sebald und St. Egidien in Nürnberg. Martin wird in Nürnberg als Sohn eines evangelischen Pfarrers geboren. Nach Abitur und Zivildienst studiert er Evangelische Theologie, Kunstgeschichte und Christliche Archäologie. Sein Weg führt ihn mit Stipendien nach Rom, Heidelberg und Berlin. Nach dem Vikariat in Berlin geht er an eine bekannte evangelische Kirche nach Jerusalem. Dort verbindet er Gemeindearbeit, Pilgerseelsorge und interreligiösen Dialog in einer Stadt, in der Religion & Politik täglich aufeinandertreffen. Und mit den extra für "seinen" Adventsmarkt gebackenen Stollen sorgt er schnell für Heimatgefühle. Nach seiner Rückkehr promoviert er über die Trinitätstheologie Augustins & übernimmt 2015 seine erste Pfarrstelle in Nürnberg St. Egidien. Drei Jahre später wird er zusätzlich erster Pfarrer von St. Sebald - der ältesten Pfarr- und Ratskirche Nürnbergs. Gemeinsam mit Kirchenvorstand, Mitarbeitenden & Ehrenamtlichen stellt er die Frage: Wie kann Kirche die Stadt weiterhin mitgestalten? Statt den Rückzug zu organisieren, analysiert er den Sozialraum: Wer lebt hier? Wo entstehen Begegnung, Kultur, Spiritualität & Gemeinschaft? Daraus entstehen neue Antworten: Kultur- und Bildungsformate, ökumenische Projekte, Kooperationen mit Stadtgesellschaft & Wirtschaft. Die Gemeinde gründet die Pachelbel-Chorakademie, ein Café im Pfarrhof und um das alles zu managen eine spezielle Kapitalgesellschaft. Die ist eines der spannendsten Zukunftsmodelle kirchlicher Arbeit in Bayern. Dabei geht es nie darum, Kirche zum Unternehmen zu machen, sondern darum, geistliche Orte offen, relevant und wirksam zu halten (Ekklesiopreneurship). Das gelingt ihm, weil er Menschen zusammenbringt. Kirchenvorstand, Mitarbeitende, Ehrenamtliche, Förderer, Künstlerinnen und viele andere. Heute besuchen jährlich mehr als 500.000 Menschen St. Sebald. Gleichzeitig weiß Martin, dass große Stadtkirchen nicht allein von schönen Ideen leben. Wer einen Ort wie St. Sebald offenhalten will, muss Verantwortung für Menschen, Gebäude und Zukunft übernehmen. Deshalb hat er den Mut, auch unbequeme Entscheidungen zu treffen - etwa neue Wege für die langfristige Finanzierung einer offenen Stadtkirche zu entwickeln. Nicht, weil er Kirche verändern will. Sondern weil er möchte, dass sie auch morgen noch offen, lebendig und relevant ist. Als Katholik schätze ich unsere theologischen und weltlichen Diskussionen - egal ob in seiner Kirche oder im Sebalder Pfarrhof. Und ja: Er hat damals nicht übertrieben. Sein Espresso ist wirklich hervorragend. Lieber Martin, ich wünsche Dir weiterhin Gottes Segen, gutes Gelingen für Deine vielen Projekte & freue mich auf unser nächstes Wiedersehen.