Post by Anja Fröhlich
Geschäftsführerin bei Gerhard D. Wempe GmbH & Co. KG
Imagine: Sommer ohne Smartphone. Gerade ist wieder WM. Und irgendwie erinnern mich die Temperaturen an den Sommer von damals: 2006 Es war der letzte große Fußballsommer, bevor das iPhone das Licht der Welt erblickt hat. Vielleicht ist uns dieser Sommer auch deshalb so positiv in Erinnerung geblieben, weil wir ihn nicht ständig dokumentiert haben. Wir waren einfach da. Ungefiltert. Und mitten drin. Mit Freunden beim Grillen, mit Nachbarn auf der Straße und mit Fremden, die sich für ein paar Stunden angefühlt haben wie Menschen, die man schon ewig kennt. Ich erinnere mich an Autokorsos, in denen ich bei voller Fahrt auf dem Dach saß und die Flagge in den Fahrtwind gehalten habe. An die Hawaiikette in Schwarz-Rot-Gold am Rückspiegel meines ersten Autos. Und an Sportfreunde Stiller als Dauer-Ohrwurm im Kopf. Nicht für eine Story oder ein Reel. Sondern einfach, weil es sich richtig angefühlt hat. Vielleicht war das der Unterschied. Wir haben Momente nicht sofort eingeordnet, gefiltert oder geteilt. Wir haben sie bewusst erlebt. In der Hitze. Beim Public Viewing. Beim Geruch von Sommerregen auf warmem Asphalt. Ein ganzes Land im selben Rhythmus. Und vielleicht ist genau das heute seltener geworden: Nicht die großen Ereignisse. Sondern die Fähigkeit, wirklich präsent zu sein. Mit anderen. Im Augenblick. In einem gemeinsamen Gefühl. Ohne perfekte Aufnahme. Ohne den Impuls, den Moment zu teilen, bevor man ihn gespürt hat. Vielleicht bleibt das, was wir nicht festhalten wollten, manchmal am stärksten in Erinnerung. Welche Momente habt ihr bis heute im Kopf — von denen es keine archivierten Stories gibt? (📸: EM Opening, 14.06.2024)