Post by Christian Eisert
Humor-Experte | Drehbuch- und SPIEGEL-Bestseller-Autor
Auf die Frage, was ich später mal werden möchte, antwortete ich etwa ab der dritten Klasse: „Tierarzt. Und nebenbei schreiben.“ Es kam andersherum. Mehr oder weniger. Allein vom Schreiben zu leben, erschien damals etwas zu idealistisch . Tierarzt werden war seriöser. Außerdem mochte ich die Geschichten von James Herriot. Die BBC-Serie dazu sah ich als junges Kind Anfang der Achtziger und als älteres Anfang der Neunziger in der Wiederholung zuzüglich der neuen Staffel. Ich nahm alle Folgen auf Videokassette auf und bekam zu Geburtstag, Weihnachten oder Ostern die Bücher. Alle habe ich heute noch. Was die Verwirklichung des Berufswunsche betraf, besuchte ich ab dem 8. Lebensjahr eine AG Schreibende Schüler in Berlin-Lichtenberg und begleitete mit 13 Jahren mehrmals Tierärzte. Ich spritzte Kühe und Schweine oder steckte meinen Arm bis zur Schulter in Rinder-Enddärme und -Scheiden. Was den Wunsch, Veterinär zu werden, schon nicht mehr ganz so seriös erscheinen lässt. Gestandene Tierärzte aller Geschlechter rieten mir ab. Entweder sei man Büttel der Tierpharma- und Fleischindustrie oder stünde sich in der Kleintierpraxis die Beine in den Bauch und müsse sich mit Tierbesitzerinnen herumschlagen, die ihre Tierquälerei für Tierliebe hielten. Also wurde ich Autor. Meine Affinität zum Tier lebte ich dennoch aus. Abgesehen vom Besitz eines Viertel Dutzend Hunden, schrieb ich Bücher mit Titeln wie: „Pudel in Aspik“ und „Kim und Struppi“, mehr als ein Dutzend Löwenzähnchen- Drehbücher, in denen sprechende Tiere die Hauptakteure sind und rund hundert Moderationstexte für einen Schimpansen. Und in jedem meiner Reisebücher gibt es mindestens ein wahres Hundeerlebnis. Im neuesten, „Man reise vorzugsweise mit der eigenen Bettdecke“, beginnt es auf Seite 55. #schreiben #comedy #autor #buchtipp