Post by Abdallah Hamadna

MD ( Univ. Nablus)

Vor Kurzem sprach ich mit einem Kollegen, der als Assistenzarzt in der Unfallchirurgie eines mittelgroßen Krankenhauses tätig war. Er berichtete mir von seinen letzten drei 24-Stunden-Diensten. Traurigerweise beschrieb er, wie er von 08:00 Uhr morgens bis teilweise 04:00 Uhr des Folgetages nahezu pausenlos in der Notaufnahme gearbeitet hat. Die Anforderungen kamen aus allen Richtungen: Patientenversorgung in der Notaufnahme, Schockraumversorgung, Begleitung zur Diagnostik, CT-Untersuchungen bei Polytrauma, Röntgen, Konsile und stationäre Aufnahmen. Gleichzeitig wurden viele Prozesse digital zeitlich erfasst, wodurch zusätzlicher Druck entstand, bestimmte Vorgabezeiten einzuhalten. Dazu kommen akute Situationen wie Gelenkluxationen, die unmittelbar versorgt und reponiert werden müssen, sowie ein enormer bürokratischer Aufwand: Aufnahmebefunde, Dokumentation, Medikamentenanordnungen, Kontrolle von Untersuchungsergebnissen und die Erstellung weiterer Therapiepläne. Und all das teilweise in nicht klimatisierten Räumlichkeiten. In der Notaufnahme liegen Kinder, ältere Menschen und schwer erkrankte Patienten. Darunter auch Menschen mit Demenz, die verängstigt oder unruhig sind und nicht selbst entscheiden können, während auf Angehörige oder betreuende Personen gewartet werden muss. Parallel klingelt ständig das Telefon: Stationen benötigen Unterstützung bei Blutentnahmen, fehlenden Venenzugängen, Antibiotikatherapien oder Bluttransfusionen. Auch diese Aufgaben erfordern Verantwortung, Dokumentation, Formulare, Bedside-Tests und eine sichere Durchführung. Am Ende eines solchen Dienstes ist der Arzt körperlich und psychisch am Limit — oft ohne Energie und Motivation für das eigene Privatleben. Diese Geschichte ist kein Einzelfall. Viele im Gesundheitswesen kennen und erleben solche Situationen regelmäßig. Die entscheidende Frage ist: Wie finden wir eine nachhaltige Lösung? Einerseits müssen Patientensicherheit und medizinische Versorgung auf höchstem Niveau immer Priorität haben. Andererseits dürfen wir die Belastung des medizinischen Personals nicht ignorieren. Entlastungsmaßnahmen, bessere Strukturen und realistische Arbeitsbedingungen sind nicht nur im Interesse der Beschäftigten — sie sind ein wesentlicher Bestandteil einer sicheren Patientenversorgung. Denn langfristige Überlastung ist nicht gesund. Sie führt zu Erschöpfung, Verlust von Motivation und kann schwerwiegende Folgen für die Gesundheit des medizinischen Personals haben. Wer sich täglich um die Gesundheit anderer Menschen kümmert, braucht selbst Arbeitsbedingungen, die Gesundheit ermöglichen.